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05. Dezember 07

Kommentare

Ulrich Berger

Sehr geehrte Frau Röhl,

als lernwilliges nun westbeheimatetes DDR-Gewächs habe ich Ihren Artikel mit großem Interesse gelesen.
Mein Bild der 50er/60er Jahre der BRD setzt sich wesentlich auch aus den Kernaussagen zusammen, die Sie als 68er Lügenpropaganda anklagen. Aber ich konnte es ja nicht selbst nachprüfen, damals.
Schade finde ich daher, dass Sie nicht darstellen, wie SIE denn die deutschen Verhältnisse damals charakterisieren würden.
Ergänzend wäre zu fragen, ob es denn UNWAHR ist dass:
- die deutsche Frau tatsächlich sehr unterdrückt war (auch von Gesetzes wegen),
- eine deutsche Frau kein eigenes Konto haben durfte,
- dass Sie ihren Mann fragen musste, wenn sie arbeiten gehen wollte,
- außerehelicher Sex Schande war,
- es (vor allem in kirchlichen) Schulen und Erziehungsheimen völlig legal die Prügelstrafe gab,
- Günter Wallraff die Arbeitswelt in "Ganz unten" zutreffend beschrieben hat,
- Familien üblicherweise TATSÄCHLICH patriarchalisch, unterdrückerisch und oft angstdominiert waren,
- in großen Teilen Deutschlands Kirchgang quasi Pflicht war und Atheisten ein Ansehen wie Kinderschäner hatten...
Und falls ja: War das OK? War es falsch, das zu bekämpfen?

Das sollen keine Behauptungen sein, wenngleich mir nach wie vor etliches davon zu stimmen scheint. Aber wie gesagt: Ich stelle absichtlich nur die FRAGEN und lasse mich gerne belehren.

Mit besten Grüßen,


Ulrich Berger

Sascha Stradtmann

Liebe Frau Röhl,

ich bin nun nach der Lektüre Ihres Textes etwas hin- und her-gerissen. Ich selbst wurde 1974 geboren, wunderte mich als 3jähriger im Jahr 1977 darüber, dass im Radio ständig von Touristen und Terroristen gesprochen wurde und konnte beides nicht unterscheiden.
Als Teenager fand ich dann die RAF cool, hielt sie für moderne Robin Hoods.
Während meiner Studienzeit hatte ich dann die "Ehre" einige selbsternannte Protagonisten der 68er Bewegung persönlich kennenzulernen. Danach war mir buchstäblich zum k..tzen zu Mute, denn schnell fand ich heraus, dass diese Alt-68er in Wahrheit konservativer, reaktionärer und intoleranter waren als alles, gegen das sie je revoltiert haben. Eine andere Meinung zu haben, das war bei den lieben Alt-68ern verboten, man wurde gleich als Nazi und Faschist beschimpft, wenn man ihre kruden Ansichten über die Welt mit einem dezenten "ja, aber..." hinterfragte. "Political Correntness" oder besser gesagt widerliche Gedankenzensur im Sinne von Orwell's "1984" sind nur eine der unangenehmen Folgen dieser "Kulturrevolution".
Wenn ich aber genauer nachdenke, haben die 68er langfristig zumindest bewirkt, dass sich mehr und mehr Bürger getraut haben, den Mund aufzumachen und für ihre Belange einzustehen. Ich erinnere mich, wie in den 1980er Jahren alle inspiriert waren von dem Gedanken, dass man mit Graswurzelpolitik und Bürgerinitiativen die welt besser machen kann. Etwas, das der globale Neoliberalismus mit seiner permanenten Schürung von Existenzängsten (à la "Wenn Du bei Rot über die Ampel gehst, wird Dein Arbeitsplatz nach Osteuropa verlagert und Du landest in der Gosse") gerade wieder effektiv zerstört.
Nun bin ich verwirrt. Was soll ich nun halten, von diesen 68ern?

Herzliche Grüße,
Sascha Stradtmann

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